Kategorie: Erinnerungen

Wie alles begann #8: “Auf 3142m Höhe”

STOPP! Hast Du die vorherigen Beiträge  noch nicht gelesen? Dann hol das am besten nach! Die Blog-Kategorie “Erinnerungen” beschreibt eine fortlaufende Geschichte, beginnend im Jahr 2014. Nimm Dir doch ein wenig Zeit und schau nach, wie die Geschichte begonnen hat.

  • 1. Eintrag (Wie alles begann #1: „I’m going on an adventure!“)
  • 2. Eintrag (Wie alles begann #2: „Hello Mister Gottstein!“)
  • 3. Eintrag (Wie alles begann #3: “Der erste Dämpfer”)
  • 4. Eintrag (Wie alles begann #4: “Andere Länder, andere Sitten.”)
  • 5. Eintrag (Wie alles begann #5: “Der erste Schultag”)
  • 6. Eintrag (Wie alles begann #6: “Schlemmen auf der Insel der Götter”)
  • 7. Eintrag (Wie alles begann #7: “Mit 120km/h auf dem Zweirad”)

Hallo Du! Ich freue mich, dass Du vorbeischaust. Der heutige Blogeintrag handelt von meinem Aufstieg auf den höchsten, aktiven Vulkan der Insel.

 Nicolas und ich auf dem Gunung Agung, 3142m, aktiver Schichtvulkan

Mittlerweile waren neue Volunteers im Homestay angekommen und andere hatten sich verabschiedet. So ist das eben, wenn die Programmdauer irgendwo zwischen 4 und 12 Wochen liegt. Mein neuer Zimmergenosse Nicolas kam aus der Schweiz und steckte dort mitten im Studium. Seine Liebe zu den Alpen ließ uns immer wieder auf ein bestimmtes Thema kommen: Vulkane.

Ab und an redeten wir mit Homestay-Gästen, die vom Gunung Batur kamen (aktiver Schichtvulkan auf Bali, 1717m hoch) und scherzten, dass wir diese “Touristen-Tour” nicht mitmachen würden, sondern wenn, dann direkt den höchsten Vulkan der Insel erklimmen wollten. Ja, ja. So sind wir Männer eben. Immer einen auf dicke Hose machen. Tatsächlich setzten wir unseren Plan aber in die Tat um. Viel Spaß beim Lesen meines kleinen Rückblicks 🙂 PS: So schnell bekommt mich da niemand wieder hoch!

Discalimer: Das Erklimmen des Vulkans ist ausschließlich in Begleitung eines Guides gestattet, denn in der Vergangenheit verschwanden mehrfach Personen während des Aufstiegs. Später fand man nur noch deren Gepäck. Ohne Führung hätten wir den Weg nach oben auch niemals gefunden.

Mit unseren Rollern fuhren wir vom Homestay direkt zum Haus unseres gebuchten Guides (ca. 90min Fahrt). Dort angekommen sprachen wir erstmal über Sicherheitsvorkehrungen und unser Gepäck. Wir planten vor der letzten Etappe ein Lager aufzuschlagen und ein wenig zu schlafen. Daher hatten wir Decken und Unterlagen dabei. Dazu kam unsere Verpflegung bestehend aus Sate Kambing (Ziegenfleisch), Reispudding und so viel Wasser, wie wir tragen konnten. Voll motiviert fuhren wir durch Felder bis zum Fuß des Berges. Kaum angekommen, liefen wir auch schon los. Ehe man sich versieht ist man auf dem Weg, einen mehr als 3000m hohen Vulkan zu erklimmen. “Was ist auch schon dabei?”, dachten wir uns. Bald sollte sich herausstellen, dass wir unser Vorhaben nicht auf die leichte Schulter hätten nehmen sollen.

 

Gede, unser Guide, war herzensgut. Zweimal die Woche erklomm er den Gunung Agung während der Saison (April-September). Davon konnte und kann er seine Familie mehr als gut ernähren. Leider war sein Körper gezeichnet von den Strapazen der andauernden Aufstiege. Wir sprachen während der ersten Stunden der Aufstiegs viel über seine Familie und den Beruf als Guide. Bis heute habe ich großen Respekt vor der Verantwortung, die Gede Aufstieg um Aufstieg auf seine Schultern lädt.

Die ersten paar hundert Meter des Aufstiegs führten durch dichten Wald und Trampelpfade. Wir kamen super voran und legten ein ordentliches Tempo vor. Trotzdem legten wir ab und zu Pausen ein. Nicolas und ich hatten vorher ein bisschen gelesen und dachten uns zu dem Zeitpunkt: “Was haben die Leute bloß, haben die eine andere Route nach oben genommen?”. Nein, hatten sie definitiv nicht. Der eigentliche “Aufstieg” lag noch vor uns. Bis auf ein wenig Geschick im Klettern war bisher nicht viel gefordert.

Es wurde dunkel. Kein Ton war zu hören. Ab und zu sprangen Affen an den Bäumen neben uns von Ast zu Ast. Die Atmosphäre war gespenstisch, der Himmel fast nicht zu erkennen. Es wurde steiler. Seit einigen Stunden hatten wir keine anderen Menschen gesehen oder gehört. Die Temperatur sank drastisch. Gede und wir legten eine Pause ein um uns umzuziehen und zu stärken.

So langsam begriffen wir, wovon die Berichte online handelten. Taschenlampen an. Aufstieg zum Zwischenlager.

Meter für Meter kletterten wir nach oben. Mit Seilen halfen wir uns gegenseitig und sicherten uns vor einem Absturz. Die Baumdichte nahm ab. Die Baumgrenze war nah. Auf der letzten Etappe trafen wir eine Gruppe Locals, die auch einen Zwischenstopp einlegten.  Wir machten kurz rast und rafften uns dann wieder auf, die letzten Meter bis zu unserem Zwischenlager zügig zu schaffen. Eins kann ich Euch sagen: Ungefähr 20 Minuten bevor wir endlich an unserem Lagerplatz ankamen, hatte ich absolut keine Kraft mehr. Der größte Sportler bin ich allerdings auch nicht. Meistens hilft mir mein Wille über solche Phasen hinweg. Als mir dann auch noch eine Ladung Steine an einer kritischen Stelle entgegenkam, wollte ich fast aufgeben. Mit offenen Knien und völlig abgekämpft kamen wir final am Lagerplatz an. Puuuuh. Ich war komplett im Eimer.

Gede entfachte ein Feuer mit gesammeltem Holz und kochte Tee für uns. Ich habe noch nie im meinem Leben einen Tee so genossen wie in diesem Moment. Aber wirklich warm wurde uns nicht. Der Wind pfiff aus allen Richtungen. Das Feuer brannte so schnell runter, dass wir immer wieder neues Holz besorgen mussten. Zum Glück standen ein paar vereinzelte Bäume nur unweit entfernt von unserem Lager.

Einer Sache hatte ich noch gar keine Aufmerksamkeit gewidmet: dem Himmel. Wahnsinn! Fernab der Zivilisation, über den Wolken. Ihr könnt euch das Bild vorstellen, Ein direkter Blick auf die Milchstraße und Millionen von Sternen. Eine Entschädigung für die Strapazen bisher. 2/3 des Aufstieges hatten wir hinter uns. Natürlich lässt sich der Anblick in keinem Bild einfangen, aber das kommt dem vielleicht nah:

Nach einigen Stunden, in denen wir nicht wirklich Ruhe gefunden hatten, ging es weiter. Wir entschieden uns dafür, unsere Decken im Lager zu lassen und beim Abstieg wieder mitzunehmen. Es war immer noch Nacht. Denn unser Ziel war es, den Sonnenaufgang zu sehen. Dann mal los. Die Motivation war zurück. Unser Weg führte uns über Felsabhänge und steile Wände. Als Gede auf eine Wand zeigte, lachten wir nur…wir dachten, dass wäre eher eine Felswand für einen professionellen Kletterer. Merke: Indonesien ist nicht Deutschland.

Ein wenig Höhenangst habe ich auch, aber jetzt half alles nichts mehr. Der Blick nach oben, Taschenlampe im Mund (hätten wir mal Stirnlampen gekauft) und Stück für Stück die Wand nach oben. Zwischendurch gab es immer wieder Stellen, an denen man auch mal sitzen konnte. Ich zeige Euch mal eine dieser Stellen:

Die Zeit arbeitete gegen uns. Der Himmel erhellte sich. Ich sprach mit Gede und sagte ihm, dass ich den Sonnenaufgang gern sehen möchte. Er erklärte mir den restlichen Weg und nahm ab diesem Zeitpunkt nur noch Rücksicht auf Nicolas. Seit unserem Zwischenstopp konnte Nicolas nicht mehr mithalten. Trotzdem wollte ich unser Ziel, den Sonnenaufgang zu sehen, nicht aus den Augen verlieren. Gede stieg also runter zu Nico und ich machte mich auf den Weg nach ganz oben. Ich hatte keine Schmerzen mehr. Ich wollte nur noch nach oben. Ich sah Kletterer, die über andere Wege zur Spitze gekommen waren. Wir motivierten uns gegenseitig und schafften es! Was für ein Gefühl. Die letzten hundert Meter führten horizontal über einen schmalen Kamm. Im Laufschritt zum Aussichtspunkt. Rechts und links ging es mehrere hundert Meter in die Tiefe:

Geschafft!!!

Auch Nicolas hatte nochmal die Motivation gepackt und er kam nur wenige Minuten nach mir am Aussichtspunkt an. Der Anblick war atemberaubend:

 Diese Bilder sind der einzige Grund, warum ich irgendwann eventuell doch noch einmal einen Aufstieg wagen würde. Das hat aber noch Zeit 😉

Wir verbrachten ungefähr 30 Minuten am Aussichtspunkt in 3142m Höhe. Die Temperaturen waren eisig. Der Abstieg stand bevor. Die Euphorie war noch da, also ging es super los. Jedoch nur genau bis zu dem Punkt, als ich das erste Mal auf dem Geröll ausrutschte. Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Der Abstieg war gekennzeichnet von Stürzen und Schmerzen. Das letzte Bild entstand während der ersten Abstiegsetappe:

Soweit ich mich erinnern kann dauerte der Abstieg auch wesentlich länger als der Aufstieg. Nicht zuletzt aufgrund der Anzahl an Pausen. Die Luft war einfach raus. Zudem war unser Wasservorrat aufgebraucht. Was solls. Wir haben’s geschafft! Mein erster Vulkan und wahrscheinlich nicht der Letzte.

Beim nächsten Mal werde ich aber definitiv vorher intensiv trainieren 😉


Habt ihr etwas zum Thema Mountaineering oder zu einem anderen spannenden Thema zu berichten? Wollt Ihr Eure Erfahrungen auf Bali mit der Welt teilen, habt aber keine Plattform dafür? Habt ihr vielleicht selbst sogar als Volunteer vor Ort geholfen? Ihr seid eingeladen, Eure Erfahrungen in einem Gastbeitrag auf diesem Blog niederzuschreiben. Schreibt mir einfach eine kurze Mail mit Infos über Eure Person und Euer Thema an: daniel@balipockets.org !

Hat euch der achte  Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag!

Zum ersten Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann

Zum zweiten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann2

Zum dritten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann3

Zum vierten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann4

Zum fünften  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann5

Zum sechsten Eintrag:

http://balpo.me/wieallesbegann6

Zum siebten Eintrag:

http://balpo.me/wieallesbegann7

Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #7: “Mit 120km/h auf dem Zweirad”

STOPP! Hast Du die vorherigen Beiträge  noch nicht gelesen? Dann hol das am besten nach! Die Blog-Kategorie “Erinnerungen” beschreibt eine fortlaufende Geschichte, beginnend im Jahr 2014. Nimm Dir doch 20  Minuten Zeit und schau nach, wie die Geschichte begonnen hat.

  • 1. Eintrag (Wie alles begann #1: „I’m going on an adventure!“)
  • 2. Eintrag (Wie alles begann #2: „Hello Mister Gottstein!“)
  • 3. Eintrag (Wie alles begann #3: “Der erste Dämpfer”)
  • 4. Eintrag (Wie alles begann #4: “Andere Länder, andere Sitten.”)
  • 5. Eintrag (Wie alles begann #5: “Der erste Schultag”)
  • 6. Eintrag (Wie alles begann #6: “Schlemmen auf der Insel der Götter”)

Hallo Du! Ich freue mich, dass Du vorbeischaust. Der heutige Blogeintrag dreht sich rund um das beliebteste Fortbewegungsmittel auf der Insel der Götter.

 

In den letzten Tagen habe ich in meiner Freizeit ausschließlich am neuen Balipockets-Konzept  gearbeitet. Zeit für einen Blogeintrag finde ich genau jetzt, am Sonntag um 16:30 Uhr. In zwei Stunden steht bereits das nächste Team-Meeting an. Momentan bewegt sich einiges hinter den Kulissen. Eine Übersicht über die zukünftigen Projektinhalte findet ihr hier: Balipockets.org – Was ist Balipockets? Bleibt gespannt. Wir halten Euch auf allen Kanälen und natürlich auch hier auf dem Laufenden.

Vor Reiseantritt fiel einmal das Thema “Fortbewegung auf der Insel”. In YouTube-Videos hatte ich das rege Treiben auf den Straßen Balis verfolgt und war mir sicher, dass ich für diese drei Monate keinen internationalen Führerschein beantragen werde. Ich komme schon von A nach B. Schließlich habe ich ja über eine Agentur gebucht. Die kümmern sich um mich. Tja, Naivität hätte zu der Zeit wohl mein zweiter Vorname sein können. Keine 3 Tage auf der Insel und mir war klar: Ohne Scooter geht nichts. Hendra und Komang befürworten es grundsätzlich nicht, wenn Projektteilnehmer sich einen eigenen Scooter mieten. Nichts desto trotz hat quasi jeder, der sich länger als 2 Wochen auf der Insel aufhält einen eigenen Roller.

Meine Erfahrungen im Bereich der motorisierten Zweiräder beschränkten sich darauf, dass ich einmal als Beifahrer auf einem Moped gesessen habe. Auto fahre ich sehr gern. Offen für Neues bin ich auch immer. Also los: einen Roller mieten. Erstmal für einen Monat.

Die Preise für das Ausleihen eines Rollers sind moderat. Nach guten Verhandlungen schwanken die Kosten für einen ordentlichen Scooter zwischen  600.000 und 1.000.000 Rupiah (40-70€) pro Monat. Je nach Mietdauer können die Preise aber auch deutlich höher sein. Trotzdem: verglichen mit deutschen Mietpreisen sind die Gebühren auf Bali ein Scherz. Eine Tankfüllung umfasst circa 5 Liter Benzin je nach Modell. Das reicht für 150-200KM. Mehr als genug. Tankstellen gibt es viele.  Locals bieten vorab abgefülltes Benzin entlang der Straße an. Die Benzinpreise sind sehr niedrig. Rundum: ein Scooter ist ein perfektes, wenn nicht das einzig wirklich gute Fortbewegungsmittel  auf der Insel der Götter.

Für das Ausleihen braucht man in der Regel weder einen Pfand, noch einen gültigen Führerschein. Ich hatte bedenken, ohne einen gültigen internationalen Führerschein zu mieten. Keine Sorge. Für die Händler zählt nur, dass der Preis stimmt. Mein erster Scooter wurde ein Honda Vario 125.

Sophie gab mir eine Fahrstunde ganz in der Nähe der SD N 1 Peliatan. Nach einer halben Stunde  ging es dann auf die Straße und zurück zum Volontärshaus. Ich war ziemlich aufgeregt. Linksverkehr, keine Verkehrsregeln, keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nach circa 2 Kilometern war ich wieder an der Volontärsunterkunft. Fazit: Scooter-Fahren macht einfach nur Spaß! An den Straßenverkehr gewöhnt man sich mit der Zeit. Die Kulissen entlang der Straße sind atemberaubend schön. Sogar die Autobahn entlang des Meeres kann man mit dem Roller befahren. Immerhin schafft man circa 120 km/h mit  Rückenwind.

Von diesem Tag an stand der Roller keinen Tag mehr still. Plötzlich steht  Dir die ganze Insel offen.  Jeden Tag konnte ich neue Gegenden erkunden. Aber: So schön das Fahren ist, so gefährlich ist der Umstand, dass viele Kinder und Fahranfänger einfach auf die Straße gelassen werden. Kontrollen gibt es zwar, aber die Konsequenzen sind völlig belanglos. Ich konnte mich nur aus einer einzelnen Kontrolle nicht rausreden und musste eine Strafe von 7€ zahlen. Mein Vergehen? Fahren ohne gültigen Führerschein. Ich besitze zwar den deutschen Führerschein der Klasse B, aber auf Bali hat dieser keine Gültigkeit. In Deutschland ist jedem bekannt, mit welchen Strafen man bei diesem Vergehen rechnen muss.

 

Leider wurde ich auch Zeuge einiger Unfälle im Zusammenhang mit Scootern. Ich selbst hatte “nur” einen Unfall kurz vor Ende meines Aufenthalts auf der Insel. Regen. Schlagloch. Kurve. Ihr könnt Euch vorstellen, was passiert ist. Zum Glück blieb es bei Schürfwunden und zerrissener Kleidung. Ab und an fuhren wir in Kolonne mit den anderen Freiwilligen. Dort passierten gleich mehrere Unfälle. Ein paar davon endeten damit, dass wir den Rest des Tages im Krankenhaus verbracht haben. An dieser Stelle möchte ich aber keine weiteren Details veröffentlichen. Zum Schutz der betroffenen Personen. Nicht jeder ist damit einverstanden, sein Leben mit der ganzen Welt zu teilen. Vor allem nicht in solchen Situationen. So viel aber sei gesagt: es blieb bei gebrochenen Knochen.

Die schockierendste  Erfahrung steckt mir bis heute in den Knochen. Während eines starken Regenfalls in Ubud wurde ich Zeuge eines tödlichen Unfalls auf einer Kreuzung. Der Fahrer trug keinen Helm. Auch wenn es verlockend scheint und viele Locals ohne Helm fahren, besteht eine Helmpflicht – und das aus gutem Grund! Solltet Ihr also selbst einmal in Erwägung ziehen, ohne Helm zu fahren, dann erinnert Euch an diesen Blogeintrag. Auch bei geringen Geschwindigkeiten können z.B. Schlaglöcher oder herumlaufende Hunde der Grund für einen Unfall sein.

Einen umfassenden Blog-Beitrag zum Thema Roller fahren findet Ihr auch bei unseren Freunden von  trips-4-lovers:  balpo.me/tipps-zum-roller-fahren


Habt ihr etwas zum Thema Roller fahren zu berichten? Wollt Ihr Eure Erfahrungen auf Bali mit der Welt teilen, habt aber keine Plattform dafür? Habt ihr vielleicht selbst sogar als Volunteer vor Ort geholfen? Ihr seid eingeladen, Eure Erfahrungen in einem Gastbeitrag auf diesem Blog niederzuschreiben. Schreibt mir einfach eine kurze Mail mit Infos über Eure Person und Euer Thema an: daniel@balipockets.org !

Hat euch der siebte  Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag!

Zum ersten Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann

Zum zweiten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann2

Zum dritten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann3

Zum vierten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann4

Zum fünften  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann5

Zum sechsten Eintrag:

http://balpo.me/wieallesbegann6

Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #6: “Schlemmen auf der Insel der Götter”

STOPP! Hast Du die vorherigen Beiträge  noch nicht gelesen? Dann hol das am besten nach! Die Blog-Kategorie “Erinnerungen” beschreibt eine fortlaufende Geschichte, beginnend im Jahr 2014. Nimm Dir doch 20 Minuten Zeit und schau nach, wie die Geschichte begonnen hat.

  • 1. Eintrag (Wie alles begann #1: „I’m going on an adventure!“)
  • 2. Eintrag (Wie alles begann #2: „Hello Mister Gottstein!“)
  • 3. Eintrag (Wie alles begann #3: “Der erste Dämpfer”)
  • 4. Eintrag (Wie alles begann #4: “Andere Länder, andere Sitten.”)
  • 5. Eintrag (Wie alles begann #5: “Der erste Schultag”)

Hallo Du! Ich freue mich, dass Du vorbeischaust. Der heutige Blogeintrag dreht sich rund um alle Köstlichkeiten (und den damit verbundenen Gefahren) auf der Insel der Götter.

Nasi Padang (Reis mit versch. Gemüse, Fisch und Fleisch)

Die balinesische Küche unterscheidet sich grundsätzlich von der Deutschen. Das fällt nicht nur rein optisch auf, sondern ist einige Minuten  nach dem Verzehr einer Mahlzeit auch meist im Magen-Darm-Trakt sehr gut spürbar.  Während der ersten 2 Wochen auf der Insel musste ich fast täglich auf Kohletabletten und eine möglichst kurze Wegstrecke zur nächsten Toilette zurückgreifen.  Ich bin allerdings auch jemand, der immer sofort alles ausprobieren muss. Wer einen längeren Aufenthalt abseits von Hotels und Resorts plant, sollte seinen Magen ganz langsam an die neuen Speisen gewöhnen: anderes Land – andere Bakterien.

Entgegen meiner anfänglichen Erwartungen ist die durchschnittliche Mahlzeit auf der Insel der Götter weder gesund noch  besonders leicht. Die Hauptzutaten jeder Speise sind Kohlenhydrate und reichlich Fett.  Gekocht und gegessen wird auf der Straße. Sogenannte “Warungs” (mobiler oder stationärer Straßenverkauf von Lebensmitteln) sind der Mittelpunkt der balinesischen Esskultur. Bei 30°C ist es nicht möglich alle Gerichte  à la minute zuzubereiten oder ausreichend zu kühlen, deswegen werden die Speisen gegart (fast ausschließlich frittiert) und vor dem Verzehr entweder  noch einmal erhitzt oder regelmäßig durch wischende Handbewegungen von Fliegen und anderen Insekten befreit. In der halboffenen Auslage der Warungs werden die Speisen präsentiert. Der Gast sucht sich aus, welche Gerichte er in welcher Menge kaufen möchte.

 

typische Auslage in einem Warung

Das viele Öl hat zur Folge, dass in Indonesien mit fortgeschrittenem Alter vermehrt schwere Lebererkrankungen auftreten. Sichtbar wird das durch die gelbliche Färbung der Augen fast aller Inselbewohner im Alter von 45+ Jahren. Auch Trinkwasser sollte nur in Flaschen gekauft und unter keinen Umständen aus der Leitung verwendet werden. Anfangs habe ich sogar beim Zähne putzen Wasser aus der Flasche genommen. Für meine Begriffe ist das allerdings etwas übertrieben. Literweise solltet Ihr Leitungswasser  allerdings nicht konsumieren. Weg von den Schattenseiten und auf in das kulinarische Paradies der Insel!

 

Saté (über Holzkohle gegrillte Fleischspieße)

Meine ungeschlagene Nummer 1: Saté Ayam mit Sambal pecel. Nichts weiter als ein gut gewürzter  Hähnchenspieß mit einer scharfen Erdnusssauce. Serviert mit Reis oder pur. Perfekt für unterwegs. Beim Erklimmen des höchsten Vulkans der Insel hatte ich auf Empfehlung der Locals Sate kambing (Ziegenfleisch-Spieße) zur Stärkung dabei. Dem Aufstieg auf den Gunung Agung (3.031m) widme ich einen späteren Blog-Artikel. So schnell bekommt mich nämlich keiner mehr auf diesen Vulkan!  Nasi Campur (orig. Nasi Padang) bildet das weit verbreitetste Gericht der Insel (Bild siehe oben). An jeder Straßenecke, in jedem Restaurant oder in den heimischen Küchen trifft man immer auf Nasi Campur. Der Grund: Nasi Campur (gemischter Reis) kann alles sein. Gemüse (Spinat, Kohl, Bohnen, Gurken,..), Eier, Fleisch (meist gezupft oder am Knochen), Fisch oder  alles zusammen. Hauptsache: gekochter Reis bildet einen Teil des Gerichts.  Dazu wird ein hausgemachter Sambal (scharfe Sauce auf Chilli-Basis) gereicht. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass ich mindestens jeden zweiten Tag  Nasi Campur gegessen habe.

Preise

Eine Portion Nasi Campur kostet auf der Straße (inkl. Sitzplatz, Teller, Besteck) zwischen 8.000 und 32.000 Rupiah (60 Cent – 2,40€).  Die angebotenen Portionen machen auch durchaus satt. Mit diesen Preisen kann kein deutscher Imbiss mithalten: Fleisch, Gemüse und Beilage für ca. 1€ ! Auch für die Einheimischen ist das Essen auf der Straße erschwinglich. Deswegen sind Warungs ein super Ort, um mit Locals ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich könnt ihr den Besitzern des Warungs mit einem kleinen Trinkgeld eine riesen Freude machen. Denn die Arbeit in den Warungs ist schweißtreibend und wirft nicht viel Gewinn ab. Über ein Trinkgeld von 5€ freuen sich die Inhaber noch am nächsten Tag. Bei 30°C dürfen kalte Getränke natürlich nicht fehlen. Diese sind meist für einen Obolus  von  30 oder 40 Cent zu haben.

Getränke und weitere Spezialitäten

Es Jeruk

Es gibt nur einige wenige spezielle Getränke auf der Insel. Es Jeruk (Orangensaft, Eis, Zuckersirup) und  Es Teh (Eistee) sind am weitesten verbreitet. Über alkoholische Getränke habe ich schon in meinem  vierten Blogeintrag berichtet. Was an Getränken fehlt, machen die Speisen wieder  wett. Die außerhalb der Insel bekanntesten Gerichte sind sicherlich Nasi Goreng (frittierter Reis) und Mie Goreng (frittierte Nudeln). Beide Gerichte gibt es in Deutschland in jedem Tiefkühlregal als Fertiggericht. Kennt man das Original, dann wird schnell klar, dass diese “Fertigtüten”  nichts mit dem  eigentlichen Gericht zu tun haben.  In Kombination mit Reis gibt es weiterhin verschiedenste Köstlichkeiten. Hier wäre Nasi Ayam (Reis mit Hähnchen) der bekannteste Vertreter. Als Delikatesse zählen weiterhin Ayam Betutu  (mind. 24h in Bananenblättern gegartes Hähnchen) und Bebek Betutu (mind. 24h in Bananenblättern gegarte Ente) zu den beliebtesten Gerichten. Ein absolutes No-Go für mich:  Babi Guling (Schweinefleischvariationen). Haut, Blutwurst und Innereien auf einem Teller mit stark gewürztem Reis. Einfach nicht mein Fall. Dennoch ein sehr beliebtes Gericht (auch unter Touristen).

© bali-indonesia.com, Babi Guling

Vegetarier und Veganer kommen auf der Insel der Götter auch auf Ihre Kosten. Tofu und  Tempeh (fermentierte Soja-Bohnen) sind an jeder Straßenecke zu finden. Als Suppe  (Tempeh Kare) oder frittiert schmecken beide Produkte wirklich spitze! Gibt es auf Bali denn kein tolles Obst? Jaein. Die Insel ist klein. Angebaut werden hauptsächlich Reis und Spinat. Ergo:  Fast alle Früchte werden importiert.  Direkt auf der Insel wachsen: Durian, Mangosteen, Snakefruit, Boni, Rambutan, Pomelo und Kokosnüsse (gelb/orange/grün).

Bali ist doch eine Insel – wo bleibt der fangfrische Fisch?

Richtig. Es gibt natürlich Fischmärkte und besondere Spezialitäten vor allem in und um Jimbaran. Der Indische Ozean ist allerdings weiträumig um die Insel stark verschmutzt und die  Fischgründe haben sehr unter der Belastung durch Erdöl und Plastik gelitten. Für mich ein Grund beim Kauf und Verzehr von Fisch zweimal hinzuschauen.  Wir haben vor kurzem über ein Projekt informiert, dass sich dafür einsetzt, die Insel von Plastik zu befreien.

Ich möchte Euch natürlich nicht davon abhalten, die Meeresfrüchte selbst zuzubereiten oder in einem Fischrestaurant in Jimbaran zu probieren. Vom Verzehr in schlecht besuchten Warungs würde ich Euch allerdings definitiv abraten. Wenn die Einheimischen ein Warung meiden, dann hat das einen Grund.

© bali-indonesia.com, Meeresfrüchte in einem Restaurant in Jimbaran

Ich hoffe, dass ich Euch einen kleinen Einblick in die balinesische Küche geben konnte. Natürlich gibt es noch unzählige weitere Gerichte. Das ist aber auch gut so!

Habt ihr etwas zum Thema Food zu berichten? Wollt Ihr Eure Erfahrungen auf Bali mit der Welt teilen, habt aber keine Plattform dafür? Habt ihr vielleicht selbst sogar als Volunteer vor Ort geholfen? Ihr seid eingeladen, Eure Erfahrungen in einem Gastbeitrag auf diesem Blog niederzuschreiben. Schreibt mir einfach eine kurze Mail mit Infos über Eure Person und Euer Thema an: daniel@balipockets.org !

Hat euch der sechste  Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag!

PS: Da viele von Euch nachgefragt haben, wie lange es dauert, einen der Blog-Artikel zu verfassen – dieser hier hat jetzt circa 3 Stunden in Anspruch genommen.

Zum ersten Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann

Zum zweiten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann2

Zum dritten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann3

Zum vierten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann4

Zum fünften  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann5

Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #5: “Der erste Schultag”

STOPP! Hast Du die vorherigen Beiträge  noch nicht gelesen? Dann hol das am besten nach! Die Blog-Kategorie “Erinnerungen” beschreibt eine fortlaufende Geschichte, beginnend im Jahr 2014. Nimm Dir doch 15 Minuten Zeit und schau nach, wie die Geschichte begonnen hat.

  • 1. Eintrag (Wie alles begann #1: „I’m going on an adventure!“)
  • 2. Eintrag (Wie alles begann #2: „Hello Mister Gottstein!“)
  • 3. Eintrag (Wie alles begann #3: “Der erste Dämpfer”)
  • 4. Eintrag (Wie alles begann #4: “Andere Länder, andere Sitten.”)

Tag 3, Montag der 30.03.2015, 06.30 Uhr:  Aufstehen. Der Morgen meines ersten Schultags.

Ich hatte mich schon ein wenig eingelebt, einen neuen Ventilator bekommen und mich mit den Besitzern des Homestays ganz gut angefreundet. Die Hitze machte mir weiterhin sehr zu schaffen. Mindestens drei bis vier mal am Tag duschen konnten aber zumindest etwas Abhilfe schaffen. An das Essen hatte ich mich schon gewöhnt, mein Magen allerdings noch nicht. Den typischen balinesischen Speisen widme ich meinen nächsten Blogeintrag. Bali bietet nämlich einiges mehr als Reis und Sambal.

Hendra wartete schon vor meiner Zimmertür. In Deutschland lasse ich niemanden warten. Also beeilte ich mich beim Duschen und Umziehen und sprang aus meinem Zimmer. Hendra fragte, warum ich denn so aus der Puste bin. “Ich wollte dich nicht warten lassen!” – “Haha. Wir gehen erst in einer Stunde los. Lass dir ruhig Zeit. Wir sind hier auf Bali”, entgegnete Hendra lächelnd. Vierzig Minuten Fahrtweg lagen zwischen Hendras Wohnort Klungkung und der Volontärsunterkunft. Deswegen fuhr Hendra immer “ein paar Minuten eher los”, um dann auf dem gefliesten Podest vor meinem Zimmer noch ein wenig zu schlafen – den Körper auf den blanken Fliesen, unter den Kopf lediglich seinen kleinen Rucksack gelegt. Aber es sah trotzdem ziemlich gemütlich aus.

Die erste Unterrichtsstunde stand kurz bevor und  ich konnte quasi kein Wort Indonesisch. Zwölf Jahre deutscher Schulunterricht haben mich gelehrt, dass neue und vor allem jüngere Lehrer oft mit viel Enthusiasmus und einer strukturierten Unterrichtsplanung aufwarten können. Ich hatte vorab nach einem Lehrplan gefragt oder nach einer ungefähren Richtlinie für meinen Unterricht. In den unteren Klassenstufen wird der Englischunterricht allerdings nicht wirklich ernst genommen. Die Englischlehrer sprechen meist selbst nicht besonders gut. Tatsächlich ist das ein durchaus großes Problem in ganz Indonesien.  Denn Englisch bildet dort die Grundlage für den Einstieg in fast alle Jobs. Die Insel der Götter lebt vom Tourismus. Viele Kinder sehen ihre Perspektiven ausschließlich in der  Hotel- und Restaurantbranche. Umso bedauerlicher, dass es an fähigen Englischlehrern und Berufsberatungen/Workshops mangelt. Das Interesse der Kinder und Jugendlichen ist definitiv da! Alle haben Lust, etwas zu lernen und für ihre Zukunft zu tun. Genau an dieser Stelle wollen wir etwas bewegen! Zukünftig wird Balipockets alles daran setzen, Aufklärungsarbeit zu leisten und Workshops an Schulen anzubieten. Dazu wird es demnächst noch einen eigenen Blogeintrag geben. Auch ihr könnt ganz einfach Teil des Projektes werden, wenn Ihr denn möchtet.

Meine Schüler und ich in der SD N1 Peliatan, Ubud

Die Devise für diese und alle kommenden Unterrichtsstunden lautete: Spontanität.

Es gab ein Arbeitsheft, in dem pro Klassenstufe verschiedene Themen aufgezeigt worden. Für jede Stunde sollte ich mir ein Thema aussuchen. Dabei spielte es allerdings keine Rolle, ob das Thema erst in der nächsten Klassenstufe dran kam. Wichtig war vor allem, dass die Kinder Spaß haben und nicht zu viel selbst arbeiten müssen. Unterrichtsbeginn war um 8.00 Uhr (+- 15 Minuten). Vor jeder Unterrichtsstunde gingen Hendra und ich in das Lehrerzimmer, um mit der Schulleitung und den anderen Lehrern zu quatschen. Bei meinem ersten Besuch  gestaltete sich das etwas schwierig. Ich verstand kein Indonesisch, fast alle Lehrer konnten nicht ein Wort Englisch. Hendra übersetzte in den ersten Wochen für mich. Vor der ersten Unterrichtsstunde wurde selbstständig von den Kindern gebetet. Sobald das Gebet beendet war, begann mein “Arbeitstag”. Jede Stunde startete  mit einer förmlichen, religiösen Begrüßung, ausgehend vom Lehrer. Diese wurde dann von den Schülern erwidert. Natürlich hatte mir das vorher niemand gesagt. Ich trat lächelnd in das Klassenzimmer und rief selbstsicher “Hello! Selamat pagi!” (Hallo! Guten Morgen!). Fataler Fehler. Ich schaute in entgeisterte Gesichter. Hendra übernahm die Führung und erklärte, dass ich der neue Lehrer für die nächsten Wochen wäre. Danach wies er mich darauf hin, dass vor der Stunde erstmal eine förmliche Begrüßung stattfindet. Ich entschuldigte mich und stellte mich der Klasse vor. Da der Großteil der Schüler noch sehr wenig verstand, übersetzte Hendra jeden meiner Sätze für die Klasse. Danach ging ich durch die Reihen. Jeder Schüler stellte sich einmal kurz auf Englisch vor. Das klang dann ungefähr so: “My name is Anak Agung Istri. You can call me Istri. My hobby is drawing”. Natürlich konnte ich mir auf Anhieb keinen Namen merken, vor allem nicht bei einer Klassenstärke von 30 – 35 Schülern.

Das Thema für meine erste Unterrichtsstunde lautete Jahreszeiten. Ich fing also an ein wenig über die verschiedenen Jahreszeiten zu reden, während Hendra fleißig ins Indonesische übersetzte. Fragende Gesichter. Warum erzählt dieser Mann von vier verschiedenen Jahreszeiten? Denn auf Bali ist entweder Regen- oder Trockenzeit. Es gibt keinen Schnee. Keinen typischen Herbst oder Frühling. Entweder ist es warm und nass oder warm und trocken. Trotzdem sollte ich auch ein wenig über die klimatischen Verhältnisse in anderen Teilen der Welt aufklären. Der Unterricht funktionierte erstaunlich gut. Die Kinder machten super mit. Zwischendurch wurde immer wieder ein Lied gesungen (z.B. der Bingo Song) oder ein Spiel gespielt. Die Unterrichtsstunden gingen in der Regel 90 Minuten, konnten aber auch mal wesentlich eher vorbei sein. Am Ende bedankte sich jeder Schüler einzeln mit einem Handschlag oder einer Verbeugung. Oft wurde auch als besonderes Zeichen des Respekts die Hand des Lehrers bei der Verbeugung zur Stirn geführt.

Fazit: Der Unterricht auf Bali unterscheidet sich in fast allen Punkten vom deutschen Schulunterricht. Türen und Fenster sind offen. Hunde oder Hühner laufen während des Unterrichts durchs Klassenzimmer. Essen und Trinken ist kein Problem. Jeder Schüler darf den Raum verlassen wann und aus welchem Grund er oder sie möchte. Der Lautstärkepegel ist höher, aber nicht unangenehm – lebhaft eben. In der Grundschule dürfen die Kinder auch wirklich noch Kinder sein. Spiele lockern den Unterricht nicht nur auf, sondern bilden einen grundlegenden Teil des Unterrichtsgeschehens. Die Schüler haben die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen. Es gibt keine Druck- oder Stresssituationen.

Was definitiv auf der Strecke bleibt, ist die eigentliche Wissensvermittlung. Die Schüler lernen nur einen Bruchteil von dem, was deutsche Schüler in einer Unterrichtsstunde aufnehmen müssen. Hausaufgaben entfallen fast vollständig. Leider gab es auch nicht immer genug Material für alle. So mussten sich oft Kinder ein Heft teilen oder sogar ganz darauf verzichten, bei Texten mitlesen zu können. Soweit ich konnte, kaufe ich bereits während meiner Zeit auf Bali Unterrichtsmaterial für die Kids. Es tat mir einfach zu leid, dass teilweise 6 Kinder um ein einzelnes Heft kämpfen mussten. Genau dort bietet Euch unser Projekt die Möglichkeit, binnen Sekunden zu helfen. Einmalig oder dauerhaft spenden oder sogar Vereinsmitglied werden und uns langfristig unterstützen und Kindern eine Perspektive bieten. Klickt Euch rein und seid dabei! Ich freue mich über jeden, der einen Tag auf seinen Kaffee verzichten kann und stattdessen 2€ für eine unserer Partnerschulen auf Bali spendet. Ja, ich will helfen!

Hat euch der fünfte  Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag, in dem ich mich dann mit der balinesischen Küche beschäftige.

Zum ersten Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann

Zum zweiten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann2

Zum dritten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann3

Zum vierten  Eintrag:

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Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #4: “Andere Länder, andere Sitten.”

STOPP! Hast Du die vorherigen Beiträge  noch nicht gelesen? Dann hol das am besten nach! Die Blog-Kategorie “Erinnerungen” beschreibt eine fortlaufende Geschichte, beginnend im Jahr 2014. Nimm Dir doch 15 Minuten Zeit und schau nach, wie die Geschichte begonnen hat.

  • 1. Eintrag (Wie alles begann #1: „I’m going on an adventure!“)
  • 2. Eintrag (Wie alles begann #2: „Hello Mister Gottstein!“)
  • 3. Eintrag (Wie alles begann #3: “Der erste Dämpfer”)

Tag 2, Sonntag der 29.03.2015:  Der erste  Morgen auf der Insel der Götter.

Nach dem  Dämpfer gestern hatte ich noch einige Stunden mit Sophie geredet und die Besitzer des Homestays kennengelernt – Bapak Made (der Inhaber) und seine Frau (kurz: “Ibu” für Mutter“). Sophie war übrigens Deutsche. Das erleichterte es mir ungemein, erstmal anzukommen und alle Fragen zu stellen, die mich bewegten. Sophie zeigte mir auch noch spontan den nächsten Supermarkt und Geldautomaten. Interessanterweise sind die meisten Supermärkte der Insel 24 Stunden geöffnet.  Artikel, wie Softdrinks und Snacks  à la “Pringles” (Ja, ich bin eher der Chips-Fanatiker. Schokolade ist einfach nicht so mein Ding. Aber was nicht ist, kann ja noch werden..) waren fast identisch im Preis. Lediglich die Menge und Verpackung waren merklich  kleiner. Als durchschnittlicher Deutscher hatte ich so meine Probleme, überhaupt in die Pringles-Dose fassen zu können. Das Problem habe ich ja hier zu Lande schon. Kein Wunder – lt. Länderdaten.info ist der Durchschnittsmann in Indonesien 1,58 m klein, während der Durchschnittsdeutsche 1,80 m misst. Die Währung in Indonesien nennt sich  “Indonesische Rupiah” (kurz: IDR). Für 1€ bekommt Ihr umgerechnet circa  14500 IDR. Der kleinste Betrag (Münze) sind 100 Rupiah (0,68 Cent). Tatsächlich kann  man für 100 Rupiah z.B. ein Päckchen Instant-Kaffee erstehen – wenn auch mit etwas Verhandlungsgeschick. Viele lokale Güter sind für unsere Verhältnisse extrem günstig: Öl, Reis, Tabakwaren, Instant-Nudeln, Tofu, Gemüse. Andere Dinge wiederum sind exorbitant teuer. Beispielsweise Alkohol. Ein schlauer Schachzug der Regierung. So kann der Alkoholkonsum zumindest teilweise eingeschränkt werden. Nichts desto trotz wird lokaler Palmschnaps  (Arrak) von den Einheimischen illegal hergestellt und konsumiert. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Fälle, bei denen Touristen schwere körperliche Schäden bis hin zum Tod vom Arakk-Konsum davontrugen.  Wer von Euch plant, die Insel zu bereisen: Kauft unter keinen Umständen Arrak von Einheimischen auf der Straße!

Mitarbeiter in einem lokale Supermarkt (“Indomaret”)

Die Nacht hatte ich nicht besonders gut geschlafen. Moskitos, Hitze, ein defekter Ventilator. Geräusche von Katzen und Hunden, die über die Hausdächer liefen. Ein paar mal war ich in der Nacht wach, weil ich dachte, dass jemand vor der Tür steht. Dabei versuchten die Katzen lediglich unter allen Umständen  in die Küche zu gelangen. Zu Hause schlafe ich bei einer Raumtemperatur von 18°C wie ein Baby. Mich weckt so schnell nichts. 30°C Raumtemperatur machen einem da schon zu schaffen. Letztlich hat mich aber mein Körper dazu bewegt, nach 36 Stunden Stunden völlig erschöpft einzuschlafen. Zimmertür auf. Es riecht nach Rauch. Mhm. Komisch. Naja, was solls. Ins Bad. Duschen. Erstmal das kalte Wasser an – endlich abkühlen. Etwas wärmer stellen. Da haben wir das nächste Problem. Der Dusche war es eigentlich egal, in welche Richtung man den Regler für die Wassertemperatur stellte. Das Wasser war kalt. Eiskalt. Oder dann zwischendurch komplett heiß. Aber was solls.  Ich hatte wenigstens eine Dusche.  Ich zog mir kurze Klamotten und Flip-Flops an. Tatsächlich hatte ich innerhalb der kompletten 12 Wochen maximal  1 Woche “normale” Schuhe an. Irgendwie ein sehr, sehr befreites Gefühl. Man schlüpft morgens nach dem Duschen in die Flip-Flops, ob die Haare nass oder trocken sind ist egal. Draußen ist es sowieso warm. Alles trocknet innerhalb von Minuten. Daran kann man sich wirklich gewöhnen!

Zwei Vögel hielten Wache vor meinem Zimmer.  Jede Familie, die es sich leisten kann, hält in Indonesien teure Singvögel in Käfigen. Was für mich, vor allem nachts, einfach nur nervig war, ist in vielen asiatischen Ländern gang und gäbe. Warum?  Lest dazu den Blogeintrag von Aylin & Stefan: Die Indonesier haben ’nen Vogel.  Komang wartete schon auf mich. Heute stand ein Rundgang durch  unseren Stadtteil an (Peliatan, Ubud). Die erste Orientierung bei Tageslicht.  Circa 2 Stunden streiften wir durch die Straßen. Kinder, Ladenbesitzer, Touristen, Taxifahrer, Inhaber von  kleinen Warungs (Straßen-Verkaufsstände für Nahrungsmittel auf Rädern), der laute Straßenverkehr. Haufenweise Eindrücke prasselten auf mich ein. Nebenbei versuchte Komang mir ein paar indonesische Wörter beizubringen. Ich war ein wenig überfordert und einfach noch nicht so gelassen wie einige Wochen später.  Die Inselbewohner sind durchweg tiefenentspannt. Ist es zu heiß, wird geschlafen. Mittags wird sowieso erstmal eine längere Arbeitspause eingelegt. Vielleicht wird der Laden danach wieder aufgemacht. Vielleicht aber auch erst morgen. Der vollkommene Kontrast zur deutschen Lebenseinstellung. Wir kennen diese Lebenseinstellung aus Italien, Spanien und anderen südeuropäischen Ländern. Weniger verdienen, weniger materieller Besitz und trotzdem zufriedener als der Großteil der deutschen Bevölkerung.  Natürlich hat diese Lebenseinstellung auf der Insel der Götter andere Konsequenzen, die für mich persönlich untragbar wären. Kein eigenes Zimmer, die Familie lebt auf extrem wenig Raum zusammen. Möglicherweise noch hinter dem eigenen Ladengeschäft. Mann muss umso mehr arbeiten, um sich ein klein wenig Luxus, wie etwa eine 3-Zimmer- Wohnung, zu leisten.  Nichts desto trotz begegneten mir auf meinen Ausflügen (auch auf anderen  Inseln) fast ausschließlich nur zufriedene und glückliche Menschen.

Die Sonne brannte auf meiner Haut. Wir waren fast am Ende unseres Rundgangs angekommen.  Als wir an einer kleinen Werkstatt für Motorroller vorbeigingen, entflammte plötzlich der Motor eines Rollers, an dem  ein Mann gerade noch geschraubt hatte. Der Mechaniker wich zurück und griff nach einer Wasserflasche hinter sich. Komang handelte blitzschnell, riss mir meine Wasserflasche aus der Hand und  löschte die Flammen. Er hatte gesehen, dass die Flasche des Mechanikers leer war. Ob es die beste Idee war, Wasser auf eine Flamme an einem Motor zu schütten, ist eine ganz andere Frage. Für mich war es der Initiator dafür, die Beziehung der Balinesen untereinander zu verstehen. Der Mechaniker bedankte sich mit einer kleinen Geste. Nichts besonderes. Komang erzählte mir auf unserem Heimweg, dass es ganz normal sei sich untereinander zu helfen. Egal in welcher Situation. Der Zusammenhalt der Locals ist für mich einmalig und reicht  bis in die extremsten Notsituationen. Im Jahr 2016 wurde ich Zeuge eines Großbrandes. Ohne den Zusammenhalt der Dorfbewohner wäre ein ganzes Viertel abgebrannt. Denn eine wirklich organisierte Feuerwehr gibt es auf Bali nicht.

 Über die Umstände hinter dem Brand spreche ich in diesem Video-Log: Balipockets 2016 | VLOG #3

Hat euch der vierte  Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag.

Zum ersten Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann

Zum zweiten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann2

Zum dritten  Eintrag:

 http://balpo.me/wieallesbegann3

Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #3: “Der erste Dämpfer”

STOPP! Hast Du Beitrag 1 und 2 noch nicht gelesen? Dann lies bitte noch nicht weiter! Die Blog-Kategorie “Erinnerungen” beschreibt eine fortlaufende Geschichte, beginnend im Jahr 2014. Nimm Dir doch 10 Minuten Zeit und schau nach, wie die Geschichte begonnen hat.

  • 1. Eintrag (Wie alles begann #1: „I’m going on an adventure!“)
  • 2. Eintrag (Wie alles begann #2: „Hello Mister Gottstein!“)


Stimmen. 

Ich höre jemanden reden. Genau dort muss ich hin. Einmal durchatmen. “Hello guys!” rief ich – und ging auf die beiden zu…

Sophie und Komang hatten schon auf mich gewartet. Ich war aufgeregt, erschöpft und ungewohnt schüchtern zugleich. Meine größte Sorge war mein durchschnittlich gutes Englisch. Wie gut sprechen die anderen Freiwilligen? Macht sich wohl jemand über mich lustig, weil ich vielleicht schlechter spreche? Tausend Gedanken schwirren einem in solchen Momenten durch den Kopf. Wie immer möchte man doch einfach nur einen guten Eindruck machen. Akzeptiert werden. Während meiner Schulzeit hatte ich damit nie Probleme. Vorträge und Präsentationen halten, ein Projekt vorstellen, aus der kalten improvisieren – kein Problem für mich. In diesem Moment verstand ich, warum manche Mitschüler solche Angst davor hatten, vor der Klasse zu stehen. Meine Hände schwitzten. Den Moment hatte ich schon ein paar Mal versucht in meinem Kopf durchzuspielen. Erfolglos. Wie soll man sich auch auf eine Begegnung mit fremden Menschen in einer vollkommen fremden Umgebung am anderen Ende der Welt vorbereiten?

Komang lachte. Anscheinend schaute ich genauso verdutzt drein wie die meisten Volunteers vorher. Komang war wie Hendra auch Mitarbeiter der Organisation vor Ort und zuständig für die Koordination und Planung (Einsatz der Volunteers an den verschiedenen Schulen, Durchführung von außerschulischen Aktivitäten, Indonesisch-Unterricht und vieles mehr). Ich konnte Komang von Anfang an recht gut verstehen; den Dialekt kannte ich ja nun schon von Hendra und hatte mich während der Autofahrt so gut es ging daran gewöhnt. Auffallend: Komangs’ Dauergrinsen. Sowas hatte ich auch noch nicht gesehen. Gute Laune hin oder her, aber das war für mich zu diesem Zeitpunkt einmalig. Ständig ein Witz auf den Lippen. Komang steckte mich noch am gleichen Abend mit seiner Art an.

Komang, Quelle: Facebook.com

Gegenüber von Komang saß offensichtlich eine andere Volunteer – Sophie. Natürlich wusste ich nicht, aus welchem Teil der Welt Sie kam. Also stellte ich mich auf Englisch vor und verschwendete auch keinen Gedanken mehr daran, in meiner Zeit auf Bali auch nur ein einziges Wort Deutsch zu sprechen. Sophie klärte mich darüber auf, dass noch eine weitere Freiwillige da ist, aber gerade in ihrem Zimmer schläft. Schweiß lief über meine Stirn und tropfte auf den Boden. Binnen weniger Minuten war meine Haut von einem Flüssigkeitsfilm überzogen.

22.30 Uhr: Ich wollte unbedingt duschen. Raus aus meinen langen Klamotten. Abkühlen. Mich wieder wohl fühlen. Ich fragte Komang, ob ich nicht erstmal duschen und meine Sachen verstauen durfte. “Yes, yes, brother, no problem!” – Das hörte sich gut an. Hendra verabschiedete sich für diesen Tag und machte sich auf den Heimweg. Immerhin hatte er noch 40 Minuten Fahrt mit dem Motorrad vor sich. Ich verabschiedete mich also von Hendra und bedankte mich für die ersten Stunden mit ihm auf der Insel der Götter. “No worries my friend!” entgegnete er lächelnd. Charakterlich waren Hendra und Komang vollkommen verschieden. Hendra wirkte wesentlich erwachsender, ruhiger und gesetzter. Er wählte seine Worte mit Bedacht. Komang war das komplette Gegenteil. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, welche ernsthaften Schwierigkeiten uns seine augenscheinlich “lockere” Art noch bereiten würde.

Hendra und Ich (2016)

Komang erklärte mir, dass von der Organisation drei Zimmer in einem “Homestay” (ähnlich einem kleinen Hostel, betrieben von einer balinesischen Familie) angemietet wurden, in denen die Volunteers untergebracht sind. Üblicherweise ein Zimmer für die männlichen Freiwilligen und zwei Zimmer für die “perempuan” (indonesisch für Frauen). Weiter ging es in die Küche. Wasserspender, Gasherd, ein Wok, eine Pfanne, ein paar Teller, Schüsseln, Tassen, Besteck. Perfekt. Lediglich der Geruch war etwas gewöhnungsbedürftig. “Always lock the door!” – Warum sollte man nach jedem Besuch in der Küche die Tür verriegeln? Hühner. Hunde. Katzen. Ratten. Auf Bali leben viele Tiere auf der Straße und gehen vor allem nachts auf Beutezug. Tatsächlich habe ich innerhalb von 12 Wochen nur einmal vergessen die Tür zu verriegeln. Die Konsequenzen schildere ich Euch zu einem späteren Zeitpunkt.

Ein kurzer Blick in das Bad (auf der Website beschrieben mit “westlich eingerichtetes Badezimmer mit Warmwasser”): Ein alter Duschkopf hing von der Wand, eine handelsübliche Toilette und ein Waschbecken inklusive Spiegel. Das hatte ich mir trotz attraktiver Beschreibung schlimmer vorgestellt. Freudig ging es eine Tür weiter in mein Zimmer. Obwohl ich wusste, worauf ich mich eingelassen hatte, waren die Erwartungen an das Zimmer nicht zu klein. Immerhin hatte ich einen 4-stelligen Betrag für das Programm bezahlt (exkl. Flügen, Verpflegung, Unternehmungen). Der Programmpreis beinhaltet also zu einem Großteil die Möglichkeit, an einer Schule zu unterrichten (Zahlen um zu helfen?) und zum anderen eben die Unterbringung. Was erwartet man also von einem Raum, in dem man (potentiell zu zweit) für einen Betrag von jeweils ~700-1200€  untergebracht ist?

Die einen würden sagen: “Naja, unter den klimatischen Umständen, vielleicht eine Klimaanlage.” Andere wiederum würden wenigstens einen Kleiderschrank vermuten. Weder noch. 5 Plastikschubladen, 2 Betten, 1 kaputter Ventilator – der erste Dämpfer.

Hat euch der dritte  Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag.

Zum ersten Eintrag:

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Zum zweiten Eintrag:

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Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #2: “Hello Mister Gottstein!”

Flugreisen gehören für die einen zum Alltag, für die anderen sind sie ein Buch mit sieben Siegeln. Als Kind ging es für mich mit dem Flieger nach Mallorca. Natürlich bekommt man da nicht mit, was am Flughafen vor sich geht oder wo die Tickets herkamen. Man läuft wie gewohnt den Eltern hinterher und ist sich gewiss, dass alles reibungslos funktioniert. Steht man einige Jahre später dann selbst vor der Herausforderung, die Distanz zwischen dem kleinen Eichsfeld und Indonesien zu überbrücken, kommt doch die ein oder andere Frage auf. Vorrang hatte bei mir der Reisepreis – wie komme ich am günstigsten von meiner Heimatstadt bis zum Flughafen in Denpasar (Bali)? Tatsächlich hatte ich mir dann relativ zügig eine Reise im Internet zusammengebaut, die aufwändiger nicht hätte sein können. Aber günstig war es definitiv. Mit dem Zug nach Frankfurt (+1 Übernachtung in Shuttle-Reichweite), von dort weiter nach Dubai, umsteigen, weiter nach Kuala Lumpur, Moment! Ich hatte natürlich ab Kuala Lumpur einen günstigen Flug mit AirAsia gefunden. Also: Auschecken, mit dem Taxi zum anderen Terminal, 8 Stunden warten, neu einchecken und ab in die Maschine Richtung Denpasar. [Schonmal vorab – bis ich final in der Volunteer-Unterkunft ankam vergingen insgesamt 36 Zeitstunden.]

Natürlich braucht man ein besonderes Visum, um sich über einen Zeitraum von 12 Wochen in Bali aufzuhalten. Das Visum hatte ich im Vorhinein beantragt und auf Anfrage weitere Unterlagen eingereicht. Das Visum wurde kurz vor dem Reisebeginn abgelehnt. Für mich brach in dem Moment eine Welt zusammen, aber natürlich gibt es immer Alternativen. Schließt sich die eine Tür, öffnet sich eine andere. Nun stand ich am Flughafen in Denpasar und reiste als “Tourist” mit einem “Visa on Arrival” ein, gegen eine Gebühr von 35$. Mittlerweile ist es deutschen Staatsbürgern möglich, sich ohne Visum für 30 Tage in Bali aufzuhalten (http://balpo.me/visum). Wenn Ihr nach Bali reisen wollt oder Fragen bzgl. eines Visums habt, wendet Euch sehr gern an mich. Mein “Visa on Arrival” berechtigte mich, 30 Tage im Inland zu bleiben, allerdings mit der Möglichkeit, den Aufenthalt um weitere 30 Tage zu verlängern. Da ich aber für 12 Wochen geplant hatte, auf der Insel der Götter zu bleiben, musste ich nach Ablauf der 60 Tage (8 Wochen) für ein paar Tage ausreisen.

An der Pick-Up-Zone des Flughafens blickte ich in die Gesichter der Taxifahrer und Menschen, die wohl seit einigen Stunden schon auf die Fluggäste gewartet hatten. Ich scannte die unzähligen Namensschilder nach meinem Namen – vergeblich. Das fängt ja gut an. Konzentriert ging ich nochmal jedes in die Luft gehaltene Schild durch..HA! Mister Gottstein! Mein Name. Der Wahnsinn. Erleichtert, aber gleichzeitig aufgeregt, ging ich zu Hendra. Hendra, der lokale Mitarbeiter der Agentur, hatte schon seit 2 Stunden auf mich gewartet. “So ist das nunmal, ich habe auch schon wesentlich länger gewartet” teilte er mir in gebrochenem Englisch mit. Ich hatte anfangs große Probleme, Hendras’ Worten zu folgen. Ein ausgeprägter Dialekt, der natürlich von der vollkommen anderen Betonung der indonesischen Sprache herrührte. Wir gingen zum Auto und ich schaute das erste Mal in Richtung der Straßen außerhalb des Flughafengeländes. Wow! Eine völlig neue Welt für mich. Die Menschen. Die Sprache. Der Verkehr. Die Temperatur. Die Luftfeuchtigkeit. Alle Rahmenbedingungen waren vollkommen ungewohnt und doch begann sich in mir ein Gefühl breit zu machen: Glück. Ich war einfach glücklich, genau hier inmitten dieser neuen Welt zu sein.

Während der circa 90-minütigen Fahrt nach Ubud zum Projektstandort der Agentur gab es kaum eine ruhige Minute. Ich hatte so viele Fragen. Hendra gab mir eine kleine Einführung in die Grundpfeiler der balinesischen Kultur. Tatsächlich fühlte es sich schon nach wenigen Minuten so an, als würde ich Hendra seit Jahren kennen. Die Eindrücke im und außerhalb des Autos lehrten mich schon so kurz nach der Ankunft, dass ich noch einiges von diesen Menschen lernen konnte. Jeder vorbeirauschende Rollerfahrer lächelte mir zu. Nicht auf diese Art, wie man einen flüchtigen Bekannten anlächelt, wenn man ihn beim Einkaufen zufällig sieht und sich eigentlich so schnell es geht der Situation entziehen möchte. Ein natürliches Lachen. Befreit von Vorurteilen und Misstrauen. Es liegt in der Natur des Menschen, offen gegenüber neuen Eindrücken, Meinungen und Persönlichkeiten zu sein. In der westlichen Welt hat sich ein gewisses Misstrauen demgegenüber entwickelt. Wir gehen uns lieber aus dem Weg und machen unser Ding. Wir fahren unsere Ellenbogen aus, wenn es hart auf hart kommt. Wir wahren Distanz zu Personen, die wir nicht kennen. Natürlich sind unsere Kulturen grundsätzlich verschieden und bringen demnach auch andere Charaktere hervor. Nichts desto trotz können wir viel voneinander lernen.

circa 22.00 Uhr: Ankunft in Ubud. Die Aufregung kommt wieder. Wer sind die anderen Volunteers? Wie sieht die Unterkunft aus? Wo schlafe ich? Wer liegt auch in meinem Zimmer? Ich würde gern erstmal duschen, immerhin bin ich schon seit 36 Stunden unterwegs…ich will ja auch einen guten Eindruck machen. Ein Hund reißt mich aus meinen Gedanken. Straßenhunde. In Deutschland der beste Freund des Menschen, auf Bali gefürchtet und verteufelt. Anscheinend mochte der Hund meinen Koffer nicht und wollte das durch einen kräftigen Biss in die harte Plastikschale demonstrieren. Der Versuch missglückte, der Koffer gewann das Duell.

Stimmen.

Ich höre jemanden reden. Genau dort muss ich hin. Einmal durchatmen. “Hello guys!” rief ich – und ging auf die beiden zu…

 

Hat euch der zweite Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag.

Zum ersten Eintrag: http://balpo.me/wieallesbegann

Liebe Grüße,

Daniel

Wie alles begann #1: “I’m going on an adventure!”

Es ist jetzt genau 708 Tage her, dass ich die Insel der Götter das erste Mal betreten habe. Hätte ich diese Entscheidung damals nicht gefällt, könntet Ihr diesen Eintrag jetzt nicht lesen. Es gebe weder Balipockets.org, noch diesen Blog. Für mich ist es an der Zeit, meine Erlebnisse beginnend ab März 2015 revue passieren zu lassen. In diesem und den folgenden Blogeinträgen dieser Kategorie versuche ich Euch Teil haben zu lassen, an dem, was ich erleben durfte, wie zufällig es zu dieser Entscheidung kam und was ich bei meinen Aufenthalten auf Bali lernen konnte. Ich gebe Euch Einblicke in private Gedanken,  Momente des Glücks & der Trauer und beschreibe Situationen, die wohl jeder nur zu gut kennt. Ich freue mich über jeden, der sich die Zeit nimmt, diesen Blog zu lesen und sich vielleicht sogar mit mir in Verbindung setzt, um seine Gedanken und Meinung mit mir zu teilen. In welcher Regelmäßigkeit Blogeinträge veröffentlicht werden, kann ich Euch nicht sagen. Ich schreibe dann, wenn ich mich bereit fühle, den nächsten Schritt meiner “Bali-Story” zu veröffentlichen; oder welche ehrliche Lebensabschnittsgeschichte wurde schon unter Druck veröffentlicht?

© Warner Bros.

Für viele von Euch ist die Situation sehr aktuell, für andere ist sie vielleicht gerade (wieder) etwas in die Ferne gerückt – der Start in einen neuen Lebensabschnitt. Die Entscheidung, wann man in einen neuen Teil seines Daseins auf Mutter Erde aufbricht, wird uns zumeist von Dritten abgenommen.

Sommer 2014: Es gibt Abiturzeugnisse. Der Wahnsinn, meins ist tatsächlich dabei und lässt sich sogar sehen. Abschlussprogramm, Zeugnisübergabe, Abiturball und auf geht’s zum Studium. Würde man mich heute fragen, wie es für mich nach der 12. Klasse weiterging würde ich sagen: “Naja, so das Übliche halt. Neue Stadt. Studieren. Irgendwas mit Medien”. Tatsächlich ging es für mich im August nach Salzgitter, um dann ab 01.10. den Studiengang “Logistik- und Informationsmanagement” zu belegen (an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter-Calbecht). Umzug, die erste gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin, Studium, “Studentenleben”. Kurzum: Kann ja nur gut werden. Weit gefehlt.

Das nicht immer alles so läuft, wie man sich das vorstellt, ist landläufig bekannt. Das Studium bot mir zu viel Freiraum, zu viel Zeit um Däumchen zu drehen. Arbeit musste her. Ein paar Wochen später dann stand ich zur (Sehr-)Frühschicht vor Depot 138 eines namhaften Paketdienstleisters. Vor der Uni nochmal ein paar Pakete ausladen. Kann ja nicht so schwer sein. Mal wieder: Weit gefehlt.

Ende November 2014: Die Entscheidung ist gefallen: Ich will (muss) hier weg. Studium 👎 Job 👎 und die Trennung von meiner Freundin. Ist man mit sich selbst unzufrieden, kann man auf Dauer keine gesunde Beziehung führen. Das musste ich schmerzlich lernen. Letztlich war die Trennung allerdings der Auslöser dafür, dass es Balipockets heute gibt. Dafür bin ich bis heute dankbar. So sind sie nun mal, die zwei Seiten der Medaille.

Februar 2015: Die frohe Kunde der Zusage für meinen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker in Hannover erreicht mich. Es kann also am 01.09.2015 losgehen. Leider(?) liegen zwischen Februar und September noch einige Monate. Zeit, um wieder neue Kraft zu tanken. Nach einem längeren Gespräch mit einem guten Freund, der zu diesem Zeitpunkt bereits längere Zeit im Ausland war, fasste ich den Entschluss, meine letzten Geldreserven zu mobilisieren und einen längeren Auslandsaufenthalt zu machen. Ich brauchte einfach Zeit für mich.

Nun gibt es ja tausend verschiedene Möglichkeiten und Ziele, seinen Auslandsaufenthalt zu machen. Da kommen einem sofort die üblichen Verdächtigen in den Kopf: Work & Travel in Australien/Neuseeland, Au Pair in den USA oder Kanada oder mit dem Rucksack durch Vietnam. Von Anfang an war klar, dass ich nicht das machen werde, was gut ein Viertel des Abschlussjahrgangs damals schon angekündigt hatte (siehe “die üblichen Verdächtigen”). Ich wollte etwas erleben, wovon mir noch keiner meiner Bekannten erzählt hatte. Nach ein wenig Recherche wurde ich auf eine Agentur aufmerksam, die neben Work- & Travel-Unterstützung, Au Pair & Co. auch Freiwilligenarbeit anbot. Ein Telefonat sollte klären, was für mich in Frage kommt. Schnell kam das Gespräch auf Asien, nachdem ich ein wenig über meine Interessen und Ansichten gesprochen hatte. Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Nepal, Sri Lanka, Thailand, Vietnam. Warum genau meine Wahl auf Indonesien fiel, kann ich nicht sagen – Bauchgefühl. In Indonesien selbst hatte die Agentur nur ein Projekt: Freiwilligenarbeit auf Bali. Ich forderte also Infomaterial an und war begeistert von den geschilderten Möglichkeiten. Ich entschloss mich dazu, über einen Zeitraum von 12 Wochen Kindern auf Bali meine Unterstützung anzubieten. Der Grundstein für den wohl aufregendsten Abschnitt meines Lebens war gelegt.

Hat euch der erste Blogeintrag gefallen? Lasst es mich wissen und bleibt gespannt auf den nächsten Eintrag.

Liebe Grüße,

Daniel